Pupils’ Feedback


2019 habe ich meinen Master im Fach „Medientechnologie: Strategische Medienentwicklung“ an der Malmö Universitet gemacht. In meiner Abschlussarbeit geht es um den Mangel an Feedback-Kultur in Schulen.

Meine Aufgaben dabei: Forschung (qualitativ & quantitativ), Schreiben, Schreiben, Schreiben, Prototyping, Workshop-Veranstaltung

Ausschlaggebend für die Themenwahl war mein guter Freund Steffen, mit dem ich mich, vor allem nach der Beendigung unserer Bachelor-Studien, regelmäßig darüber austausche wie wir arbeiten. Während ich mich schnell daran gewöhnte, mich mehr oder weniger täglich darüber auszutauschen woran ich arbeite und was mich inspiriert, bemängelte Steffen oft die geringe Bereitschaft seiner Kolleginnen und Kollegen sich mit ihm auszutauschen.
Um besser zu verstehen warum genau sich die Wahrnehmung von Feedback in Gestaltungs- und Lehrberufen so sehr unterscheiden, entschied ich mich für die folgenden Forschungsfragen:

Wie kann Feedback so gesammelt werden, dass es Lehrenden hilft ihre Lehrfähigkeiten zu verbessern?

Wie gestaltet man einen digitalen Feedback-Prozess im aktuellen Schulgeschehen?

Wie beeinflusst die schulische Umgebung das Technologie-Bewusstsein von Lehrenden und Lernenden?



Im Theorieteil meiner Arbeit fokussiere ich mich auf den Status Quo der digitalen Erfassung von Feedback im Schulkontext. Auf der einen Seite gilt das sammeln und auswerten von Daten (Noten, Bewertungen von Schülerinnen und Schülern, etc.) als eine der effektivsten Methoden um Lehrende zu verbessern, doch gleichzeitig lassen sich sogenannte „Fähigkeiten des 21. Jahrhunderts“, wie beispielsweise Kritisches Denken, Innovation oder Kreativität, schwer in Daten umwandeln und somit messbar machen.

„Formative Evaluation“ beschreibt die Bewertung eines Prozess anhand festgelegter Kriterien und Zeitpunkte. Es gilt als eine nachhaltige Methode um Feedback von Schülerinnen und Schülern so zu nutzen, das es eher auf die Bedürfnisse der Lernenden abzielt, als auf ihre Ergebnisse.

Meine Herausforderung war es nun, daraus ein Konzept abzuleiten wie diese formative Evaluation so gestaltet werden kann, dass sie sowohl für Lehrende als auch die Schülerinnen und Schüler attraktiv und nutzbar wird.



Ein Co-creation Workshop


Für den praktischen Forschungsteil kombinierte ich einen eher klassisches Forschungsdesign mit diversen Design Thinking-Methoden, mit denen ich bereits vorher aus zahlreichen Projekten vertraut war.
Ein wichtiger Teil meiner praktischen Arbeit war ein Co-Creation-Workshop, zu dem ich sowohl befreundete Gestalterinnen und Gestalter einlud, als auch befreundete Lehrerinnen und Lehrer.



Basierend auf einem Design Sprint beziehungsweise Goodpatch’s Designathon entwickelten wir mittels verschiedener Übungen (HMW-Questions, Idea Nakpins, Storyboards, …) drei Papier-Prototypen, die mir als Grundlage dienten um daraus eine kleine Anwendung zu bauen, die wir anschließend testen konnten.




Das Artefakt


Mit „Herr Lubkowitz’ Brief der Woche“ legte ich den Fokus meines Experiments auf zwei Themen: die Wahrnehmung der Möglichkeit dem Lehrenden Feedback zu geben, sowie das Technik-Bewusstsein der Schülerschaft (Insgesamt 5 Klassen mit jeweils 15 Personen). Zusammen mit meinem „Forschungsassistenten“ Steffen schrieb ich vier Wochen lang in Folge einen Rundbrief, der seine Schülerinnen und Schüler zum Teilen ihrer Ansichten zum aktuellen Unterrichtsgeschehen animieren sollte.



Wichtig dabei war, dass wir Niemanden zur Nutzung eines technischen Geräts zwingen durften, da davon auszugehen ist, dass manche Schülerinnen und Schüler keinen entsprechenden Zugang zu Internet, Computer oder Smartphone aufweisen können. 

Nach jeder Woche sprach ich sowohl mit Steffen, als auch mit drei weiteren Lehrenden und zwei Schülern über das Experiment und dessen Ergebnisse. Die Erkenntnise aus diesen Interviews bildeten zusammen mit der untersuchten Literatur die Diskussion und damit den Abschluss meiner Arbeit.

Diskussion


Vor allem der große Mangel an Zeit abseits der Lehrpläne, sowie das geringe Bewusstsein über technologische Möglichkeiten seitens der Lehrenden führte mich zu dem Schluss, das durch regelmäßige Workshops Routinen kreiert werden müssen, die Schülerinnen und Schüler dazu ermächtigt freiwillig für die Verbesserungs ihres Unterrichts zu sorgen. Die gesamte Masterarbeit steht in der Online-Datenbank der Malmö Universitet zum Download bereit.

Malmö


Ich hab mich in Ausgabe 4 unserers Fußball- und Reisemagazins „chef? komm heut nich.“ an einer kleinen Auswertung meines Aufenthaltes in Malmö versucht:

Nie zuvor in meinem Leben habe ich so konzentriert so viel gelesen und so viel geschrieben. Zwar erfüllte mich meine Masterarbeit und die Zeit an der Uni sehr, doch zweifelte ich zwischendurch auch mal wieder viel. Alles nur, um Mama einen weiteren Zettel abheften zu lassen, der anderen vermeintlich beweisen soll, wie klug man doch sei. Dabei hat man eigentlich mal wieder nicht mehr gemacht, als das, was einem ein halbes Jahr zuvor vorgebetet wurde. So sehr ich die Einfachheit des Bologna-Systems zu schätzen weiß und dankbar dafür bin, so easy im Ausland studieren zu können, so sehr stellte ich mir auch immer selbst die Frage, was einem der ganze Spaß am Ende wirklich bringt.

Erst bei meinem Auszug Ende August spürte ich förmlich, wie gut mir Malmö letztendlich tat: die kurzen Wege, die Nähe zum Meer, der schwedische Wohlstand, meine eigene Wohnung, die erfüllende Beschäftigung an einer nahezu perfekt ausgestatteten Uni – was will man mehr? Ein weiterer Grund für mein positives Fazit ist, glaube ich, dass in Malmö einfach nicht so viel geht. In Berlin sitzt gefühlt immer jemand am Späti und beschert dir ein schlechtes Gewissen, sollte man stattdessen zuhause hocken – dort eben nicht. In Malmö war das Bier so teuer, für mich relevante Konzerte so rar und die Anzahl an Bezugspersonen so klein, dass ich viel mehr Zeit für mich selbst hatte. Ich war regelmäßig laufen, hab hier und da gekocht und war sogar ab und zu pünktlich in der Vorlesung. Kaum zurück in der Metropole, merkt man erstmal wie nervig eigentlich all die schäbigen Fahrradwege sind und wie unbewusst anstrengend es ist, ständig durch die Großstadt zu hetzen.